Die Rundreise:
Nachdem Sebastian und ich unsere Rundreise gestern erfolgreich abgeschlossen haben, will ich euch hier eine kurze Zusammenfassung der knapp 3Wochen geben:
3 Wochen in Zahlen:
Dauer: 19 Tage
Durchschnittstemperatur: ca. 26°C
Distanz: 5.517km (davon 4.000km Sand-, Schotter- und Salzpiste)
Autokonsum: ca. 720Liter Benzin 95 Octan
Männerkonsum: ca. 120 Flaschen Windhoek Lager
Strassenkonsum: 4 platte Reifen
Hirschfängerkonsum: (glücklicherweise) 0 Kühe/ Schafe/ Ziegen/ Elefanten/ Warzenschweine
Verschleiß und Verlust: 1paar Birkenstocksandalen
28.10.2008: Die Ankunft
Heute ist Sebastian in Windhoek gelandet, Abends sind wir zusammen mit Olavi (mittlerweile fast mein Chauffeur in Windhoek) im La Marmite essen gegangen.
29.10.2008: Wir erkunden Windhoek
Nachdem wir (durch eigenes Verschulden) den Mietwagen erst ab dem 30. haben konnten, hatten wir beschlossen einen Tag zur Erkundung Windhoeks zu nutzen. Wir haben alle wesentlichen Sehenswürdigkeiten angeschaut und beinahe den Premier Minister getroffen. Wir können nicht mit Gewissheit sagen, ob wir ihn vielleicht doch gesehen haben, weil wir die Aussage des Wachmanns nicht vollständig verstanden haben.
30.10.2008: Das Auto
Nach dem Frühstück wurden wir von einem Fahrer, den Olavi organisiert hatte zu Value Car gefahren. Nachdem der Papierkram erledigt war, wurden unseren Erwartungen übererfüllt. Das Auto schien einen Top Zustand zu besitzen, lediglich drei der sechs Reifen hatten nach unserem Befinden zu wenig Profil. sie wurden jedoch, auf unsere Anmerkung hin anstandslos ausgetauscht. Zusätzlich ließen wir uns eine zweite Kühlbox (fürs Bier) aushändigen und das Auto, insbesondere das 4×4 genaustens erlkären. Im Anschluss holten wir unser Gepäck aus dem Puccini und machten uns auf den Weg nach Swakopmund.
31.10.2008. Einkaufen und Autofahren
Der Freitag Vormittag wurde dazu genutzt unsere Vorräte aufzufüllen (Dosenfutter und Wasser, für den Fall eines Defektes in der Wüste). Mittags ging es dann auf eine unserer längsten Strecken hinauf nach Tsumeb, wo wir für eine Nacht blieben.
01.11.2008: Unverschämtes Glück
Früh morgens hieß es Aufstehen. Der plan war, kurz nach Sonnenaufgang am Eingang zum Etosha Nationalpark zu sein. Die Tatsache, dass Strassenkarten von Namibia und Himmelsrichtung manchmal unterschiedliche Ausprägungen haben, führte jedoch dazu, dass wir 45min lang auf einer falschen Strasse fuhren. nachdem Sebastian seine Schuhe repariert hatte, und ich ihn gebeten hatte doch einmal in die Karte zu schauen, stellten wir das Missgeschick fest. die Konsequenz: 1,5Std im Arsch…
Im Etosha wurden wir dann jedoch für alles Entschädigt, wir hatten das seltene Glück, alle ansässigen Tiere sehen zu dürfen/können. Angefangen von Springböcken, Kudus und Kuhantilopen, war das erste Highlight ein männlicher Löwe, es folgten Giraffen, Elefanten, Zebras, Warzenschweine und glücklicherweise auch ein Gepard, sowie vieles anderes. Nachts bekamen wir dann am Wasserloch des Campingplatzes noch ein Nashorn zu Gesicht.
02.11.2008: TiA
= This is Africa! Mit manchen komischen Sitten waren wir schon vertraut, so werden beispielsweise Taxis und vieles andere nach Personen abgerechnet (egal wie viele, für eine bestimmte Strecke zahlt man beispielsweise allein 20 N$, zu zweit zahlt für die gleiche Strecke jeder 20 N$…) An diesem Tag stellten wir jedoch fest, dass der Tagesbesuch im Etosha sich an 24h orientiert, so dass wir beim herausfahren nachzahlen mussten. Kurz zuvor hätten wir noch fast einen Elefanten mit 80km/h an-/überfahren. Er sprang unversehens 100m vor unserem Auto auf die Strasse, glücklicherweise war er aber ebenso schnell wieder weg. Der Bremsweg unseres (zu diesem Zeitpunkt9 ca. 3-3,5t schweren Pick-Ups hätte vermutlich nicht gereicht. Die Nacht verbrachten wir erneut in Tsumeb.
03.11.2008: Gefährliche Affen
Unser Trip führte uns nun zum Waterberg. Das erzählenswerte (neben der beeindruckenden Landschaft) waren hier eine Horde Affen, die auf der Suche nach Skorpionen Steine ins Rollen brachten. uns wurde es dabei in der Schlucht etwas unheimlich, was nur, wenn uns ein solcher Stein trifft? Kurzum: wir hatten Glück.
04.11.2008: Wenn Gene zur Mangelware werden
Ein Besuch der Cheetah Conservation Farm bei Otjiwarongo zeigte uns die Probleme, die es heute bei Geparden gibt und weshalb die Art bedroht ist. Um es abzukürzen, Schuld ist der Mensch, der durch das zähmen und halten der Geparden die Zahl der wildlebenden Geparden reduzierte. Heute fehlen Geparden mit dominanter Genzusammensetzung und Inzucht tritt gehäuft auf.
05.11.2008: T-Rex oder Tracks
Ein unglaubliches Wortspiel, was Sebastian beim Besuch der Dinosaurierspuren auspackte. Die gefunden Spuren sollen von aufrecht gehenden Dinosauriern stammen, wir hatten jedoch lange Zeit Probleme, sie zu entdecken. Am Nachmittag haben wir uns dann zur Spitzkoppe begeben, wo wir neben Felszeichnungen auch das Bushmans Paradise erkundeten. Das Bushmans Paradise ist eine auf den Felsen gelegene Plattform, die wunderschön bewachsen ist. der Aufstieg und der Abstieg entlang an einer Kette erfordert jedoch solides Schuhwerk und eine ordentliche Portion Mut (also kein Problem für uns)
06.11.2008: Und wieder seltsame Spuren
Der Vormittag wurde am Welwitschia Drive verbracht, wo es entlang eines Weges einige Sehenswürdigkeiten gibt. Das Highlight hier war eine uralte Ochsenkarrenspur. Nach 20min des Suchens haben wir jedoch kapituliert, wir konnten einfach keine Spur findet. Am Nachmittag hieß es dann Sandborden in den Dünen bei Swakopmund, hierzu sollte man sich einfach die Bilder anschauen. Nur soviel: Es hat richtig Spass gemacht.
07.11.2008: Und wo bitte ist die Anleitung?
Der erste Teil des Tages wurde wieder zur Auffrischung der Vorräte genutzt. Anschliessend ging es dann Richtung Sesriem, Wo das Wochende verbracht werden sollte. Vorab hatten wir jedoch ein erstes Problem mit unserem Auto, genauer gesagt mit dem Reifen hinten Links. Nachdem ich schon vorab einen Druckverlust festgestellt hatte, diesen jedoch beim Tanken beseitigen lies, war der Reifen nach 50km Schotterpiste am Ende. Nun hieß es zupacken und wechseln. Der Prozess in Stichworten:
Wagenheber ansetzen Wo?
Kurbeln Wie?
Wagenheber am Anschlag Höhe reicht nicht!
Zum Glück haben wir ein Fahrzeug angehalten (von Value Car), so dass wir einen zweiten Wagenheber besser positionieren konnten und mithilfe des Kompressors den Druck im Ersatzreifen zügig und ohne körperliche Anstrengung herstellen konnten (wir hatten nur ne Luftpumpe, wodurch wir wahnsinnige 10 Euro gespart haben…). Im Folgenden konnte der Trip dann problemlos fortgesetzt werden. In Sesriem habe ich den Reifen dann zur Reparatur gegeben.
08.11.2008: Schakal oder Hyäne? Scheiss Viecher!
Nach dem Aufstehen um 4:45 Uhr stellte ich fest, dass ein Drecksviech meine guten Birkenstock entführt hatte. Beim Losfahren fand ich dann einen der beiden Schuhe. bei Tageslicht stellte ich später fest, dass ein Stück des Lederbandes fehlte (siehe Bilder). Den Sonnenaufgang schauten wir uns von der Düne 45 an, das war wirklich faszinierend! Mittags ging es dann mit 4×4 auf 4km purem Sand nach Sossusvlei, das macht Autofahren Spass! Stecken bleiben nicht… Wir konnten zum Glück die Schaufel im Gepäck lassen. Sebastian und ich haben dann den höchsten Punkt der umliegenden Dünen erklommen, im Sand ist das wirklich kein Spass. Einzig der Wille hat uns hingebracht, wir waren die einzigen. Alle anderen die aufm Weg waren haben zwischendrin umgedreht. Belohnt wurden 1,5Std pure Anstrengung mit 5min unglaublichem Ausblick. Dann mussten wir jedoch wieder hinunter, da wir kein Wasser mitgenommen hatten.
09.11.2008: Beeindruckende Landschaften und Flüchtlinge
Auf unserer Reise zurück nach Swakopmund haben wir an der ein oder anderen Stelle angehalten und die Landschaft betrachtet. Unter anderem haben wir das Lager zweier, vor dem Krieg geflüchteten angeschaut. Es liegt unter einem Felsvorsprung an einem Canyon in der Wüste (Für alle Interessierten empfehle ich: „Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste“, ich hab es noch nicht gelesen).
10.11.2008: Faszinierender Gestank und uralter Wald
Unser Trip führte uns nun wieder Richtung Norden, wo wir am Cape Cross halt machten und die Weltweit größte Seelöwenkolonie begutachteten. Keiner kann sich vorstellen, was so ein Haufen Seelöwen für einen Gestank fabrizieren kann. Auf der weiteren Fahrt nach Twyfelfontain (Zweifelhafte Quelle) hielten wir ein weiteres Mal, um uns einen versteinerten Wald anzuschauen. Man darf sich das Ganze nicht wie einen Wald vorstellen, es ist im Prinzip einfach versteinertes Holz. Das wunderbare ist aber, dass man in den Steinen, die wirklich wie Holz aussehen, immer noch Jahresringe erkennen kann. Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz, auf dem man nachts manchmal Elefanten beim Vorbeiziehen beobachten kann. Das Glück blieb uns dieses Mal jedoch verwehrt.
11.11.2008: Wer zu spät kommt der genießt die Ruhe
Während wir vormittags neben dem verbrannten Berg (mir hat es nicht gefallen) und den Orgelpfeifen (auch ned so toll) eine Reihe von Felsmalereien (die waren echt ganz gut) besichtigt haben, ging es Richtung Sesfontain. Nach etlichem Hin und Her, sowie Einkaufen und anderem Getrödel fuhr ein Auto vor uns auf den Campingplatz und schnappte sich den letzten Platz. Schlecht für uns!? Nein, wir fanden ein Stück weiter einen schönen kleinen Campingplatz, der außerhalb lag und auf dem wir die einzigen Gäste waren. Wunderbar!
12.11.2008: Luft ohne Ende und wir nehmens mit Humor
Die Fahrt sollte uns zu den Epupa Falls führen, das eigentliche Highlight wurden dann jedoch nicht die Wasserfälle sondern die Fahrt. Wir hatten auf einer Strecke von 150km drei Platte Reifen, die Geschichte lässt sich kaum niederschreiben, wen es interessiert der kann mich ja nach meiner Rückkehr fragen. Am Ende kamen wir an den Epupa Falls an und wurden für die Strapazen belohnt. Die Landschaft bei den Epupa Falls ist einfach unbeschreiblich, vielleicht könnt ihr es anhand der Bilder ein wenig nachvollziehen, aber ich denke live und in Farbe ist es tausendmal besser.
13.11.2008: Tolle Pflanzenwelt, aber Fliegen ist schöner
Der Vormittag wurde zusammen mit einem Holländer (statt im Wohnwagen im 2er Golf unterwegs; Ian), einem Schweizer (Stefan) und einem Guide (John) verbracht. neben Affen und Krokodilen zeigte John uns die beeindruckende Pflanzenwelt der Epupa Falls, giftige Bäume und Kakteen, Sträucher die bei Berührung ihre Blätter einklappen und Bäume in denen Äste einer anderen Pflanzen wachsen und blühen, weil ein Vogel durchs hinscheissen einen Parasit angebracht hat. Mittags begaben wir uns noch für einen Augenblick an den Strand, der jedoch wegen der Krokodile nicht zum Baden gedacht ist. Beim Aufstehen hatte Sebastian bereits realisieren müssen, dass wir hier an den Epupa Falls die weiteste Distanz zu Windhoek (zum Flughafen) hatten. Von nun an ging die Reise also rückwärts und die Tage wurden ebenso gezählt. Um wenigstens noch ein bisschen Ruhe in unseren bisher schönen Urlaub zu bringen entschlossen wir uns eine große Distanz zurückzulegen, um im Anschluss einen zwei-Nächte-Stop einzulegen. Auf der Fahrt sorgte ich wieder einmal für etwas Abwechslung, in dem ich bei ca. 100km/h eine quer zur Fahrbahnverlaufende Wassersenke übersah (schlechte lichtverhältnisse) und damit unser Auto zum Fliegen verleitete. Glücklicherweise gab es keinen Schaden, lediglich eine der Gasflaschen flog aus der Halterung, weil sich der Griff verbog.
14.11.2008: Endlich Gammeln!
Zum ersten Mal bauen wir das Zelt morgens nicht ab, das Auto verbleibt an derselben Stelle, wir bewegen uns nur zu Fuss und die Fliegen werden zu lästigen Zeitgenossen. An diesem Tag geschieht nicht viel, wir haben beschlossen einfach zu entspannen. Wir befinden uns auf einer Game Lodge bei Kamanjab, nehmen deswegen morgens an einem Gamewalk teil, auf welchem wir erneut Giraffen zu Gesicht bekommen (mit der Zeit werden auch diese Tiere zur Gewohnheit und daher langweilig…). In der prallen Mittagssonne erklimme ich nochmals die Aussichtsplattform und habe das Glück Affen beim rumtoben in einem Baum zu beobachten, während Kudus die Blätter des Baumes von unten herabzupfen. Es wirkt ein bisschen so, als würden die Kudus auf herabfallende Affen warten. Ansonsten geschieht ausser Grillen am Abend und einer langen Unterhaltung mit Gerhard nicht viel.
15.11.2008: Verhütung mal anders
Der vorausgegangene Tag hat unsere Eisreserven verbraucht, die Milch ist in der Folge umgekippt. wir entschliessen uns daher, unsere Zelte abzubrechen, die Rechnung zu begleichen und unterwegs Milch zu organisieren um dann zu Frühstücken. Das Auto trägt uns mit geflicktem Reifen seit 500km, die letzten 200km nach Okahandja (+100km nach Windhoek) schafft es auch problemlos. In Okahandja besichtigen wir noch den Holzmarkt und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein (ich, Sebastian hatte sich zuvor mit einem Salz(leck)stein eingedeckt). Die Nacht sollte in Gross Barmen bei einer heissen Quelle verbracht werden. In Gross Barmen angekommen pausierten wir erst ein wenig um dann die Quelle aufzusuchen. In kaltes Wasser zu gehen kostet schon Überwindung, in heisses Wasser (ca. 65°C) zu steigen hingegen ist wesentlich unangenehmer. Die Zeit im Wasser ist dann jedoch angenehm. Man muss allerdings rechtzeitig wieder heraus, da sonst der Kreislauf im Kreis laufen wird. Eins steht für mich aber fest: Die Spermaproduktion eines Mannes der nächsten Wochen wird wohl kein 50cm großes Problem bereiten können.
16.11.2008: Das war Namibia 2008!
Jedenfalls für Sebastian. Der Morgen wurde mit Packen, Auto sortieren, Panzertape entfernen und all diesem Zeug verbracht. Im Anschluss ging es nach Windhoek zu Value Car, die Fahrzeugrückgabe funktionierte problemlos und ausser Reifen fielen keine weiteren Kosten an (Yokohama 7mm 640,42 N$). Olavi stand wie immer pünktlich bereit und hatte sogar einen Augenblick, um mit uns Kaffeetrinken zu gehen. Danach verabschiedeten sich Sebastian und ich, Sebastian wurde von Olavi zum Flughafen gebracht und für mich hatte Olavi einen Freund organisiert, der mich zum Rhino Park brachte, wo ich wieder einmal in eines dieser Konservendosenähnlichen Taxis stieg und einen 5Std Trip nach Swakopmund antrat. In Swakopmund angekommen ereilte mich sogleich wieder kaltes, ungemütliches Wetter.
November 21st, 2008 at 12:49 pm
Danke für die Zusammenfassung. War lustig gerade alles nochmals zu lesen und innerlich Revue passieren zu lassen
Weil hier grad eins der Lieder aus dem Radio dudelt, am 30.10.2008 waren wir abends noch bei der Talentshow der Grundschule in Swakop.
Viele Grüße und bis bald.