Kaum waren Moritz und ich eine Woche in Madison stand erneut Koffer packen auf unserem Programm. Diesmal ging mit Johannes und Sven auf nach Colorado zum Skifahren. Der Trip wurde vom Skiclub der Uni organisiert und war für alle 170 Teilnehmer die letzte Woche des Winterbreaks, bevor es im neuen Semester weiter ging.
Los ging es am Freitagabend. Die 1600km lange Busfahrt zum Winter Park Resort versprach nicht gerade eine erholsame Nacht. Kaum auf dem Highway angekommen wurde von den Tripleader in unserem Bus auch schon das erste Trinkspiel organisiert. Danach stieg die Party so richtig im Bus. Unsere Sitzplätze vor der Bustoilette erwiesen sich als suboptimal, aber auf diese Weise lernten wir zumindest jeden einzelnen aus dem Bus kennen.
Auf unserem Weg durch Iowa und Nebraska kam wahres Roadtrip Feeling auf. Ein Blick links aus dem Fenster…, nichts. Bis zum Horizont nichts als Gras. Ein Blick rechts aus dem Fenster… nichts. Dabei führte die Straße meist flach und geradeaus. *gähhnnn* Alle paar dutzend Meilen war zumindest eine Ranch zu erhaschen. Mehr Abwechslung bot uns dann der Weg durch Colorado und besonders die Fahrt in den Rockys. Mit der ansteigenden Straße wuchs bei uns die Vorfreude auf das Skifahren und der Wunsch endlich alle Glieder ausstrecken zu können gleichermaßen. Allerdings wurde unser Schlafdefizit aus der Nacht durch die Höheluft nicht besser. Schließlich lagen unsere Ferienwohnungen in knapp 3000 Meter über NN!!!
Moritz, Sven, Johannes und ich bezogen eine vierer Wohnung. Die Wohnung war super ausgestattet und hatte einen riesigen offenen Kamin, Stereoanlage, Fernseher,… Ihr einziges Manko war, dass es nur ein Doppelbett gab. Als zweite Schlafstätte diente die Klappcouch. Die war zwar auch ausreichend, aber das abendliche „Bett“beziehen und das Aufräumen der zig Laken (Federbetten scheinen sich in Amerika noch nicht durchgesetzt zu haben) war lästig.
Am Sonntagmorgen ging es dann gleich zur Ladenöffnung zum Skiverleih um uns das Material zu leihen. Für Moritz und Sven sollten es Skier sein. Johannes und ich, als alpines Greenhorn, liehen uns Snowboards. Kaum hatten wir alles beisammen ging es auch schnellst möglich Richtung Lift. Trotz des Wochenendes war an den Liften und auf den Pisten erstaunlich wenig los. Im Nu hatten wir das erste mal geliftet.
Der Schnee war super zum Fahren. Viel trockener als in Europa und mit -5°C waren es klasse Bedingungen. Meine ersten Abfahrten gingen gleich recht gut. Natürlich mussten die drei immer im Tal auf mich warten, aber mein Rückstand auf sie verkürzte sich stetig. Um sämtliche Pistenkilometer zu erschließen sind dort recht abenteuerliche Lifte im Einsatz. Der Einstieg, ohne Auskuppeln des Sessels, vermittelte uns den Eindruck als sollten wir auf den Gipfel geschossen werden. Dafür war die weitere Fahrt dann sehr gemütlich weil keinerlei Sicherungsbügel vorhanden war. So richtig sicher fühlten wir uns drin nie. Dafür kann man in Winter Park mit dem höchstgelegenen 6er Sessellift der Welt bis auf 4000Meter hinauf. Leider kann ich euch in meiner Galerie kaum Bilder von dem super Panorama zeigen. Denn ab dem dritten Tag wurde es zu windig für den Lift auf 4000m und sein Betrieb wurde eingestellt. Pistenkilometer blieben dennoch genügend. Der Wind sollte jedoch der Bote für eine Saukälte sein, -26°C ohne windchill!!! Notgedrungen reduzierten wir unsere Zeit auf der Piste am vierten und fünften Tag. Alle 2 Stunden waren wir so durchgefroren, dass wir uns auf den Hütten aufwärmen mussten.
Zum Ausgleich wurden unsere Nächte länger. Mit unseren amerikanischen Nachbarn betreiben wir einen Trinkspielkulturaustausch, wir erlernten das Bierpong spielen und zeigten ihn das „Mäxle“. Zum Abschluss wurde von den Tripleader noch eine große Party organisiert. Dort zeigten die Amerikaner wieder eindrucksvoll ihre Art des Aprés Skis, bei der dass sie ohne Rücksicht auf die eigenen Grenzen immer Vollgas geben wollen.
Nachdem unsere Busfahrer die Rückfahrt mit einem affenartigen Tempo (120km/h mit Reisebusen!) zurückgelegt hatten, kamen wir viel früher als erwartet in Madison an. Als wir um 5Uhr morgens aus dem Bus stolperten folgte dann sofort die nächste Überraschung. Die Eiseskälte aus Colorado brachten wir gleich mit nach Madison. Bei -24°C machten Moritz und ich uns im Stechschritt auf den Weg zurück in unsere Wohnung, wo wir frierend aber dafür hellwach in Rekordzeit ankamen.