Wo der Weihnachtsmann wohnt
Monday, October 31st, 2005Genau da war ich: in Rovaniemi, Polarkreis, Lappland, Finnland, da wo der Weihnachtsmann wohnt. Und er wohnt da wirklich, ich hab ihn gesehen! Allerdings habe ich kein Bild von ihm, denn der alte Mann ist ganz schön gierig: 19 EUR will er für ein Foto haben!! Und da ich ja eh glaube, dass das Christkind und nicht der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, wars mir das nicht wert. Habe dafür genug andere Fotos gemacht, die ich dann auch gleich hochladen werde.
Am Donnerstag, den 27.10.05 gings in aller Frühe mit der Hinfahrt los (es war jedenfalls noch dunkel draußen!), wir stapften durch den Schnee zur Uni wo unser Bus losfuhr. Da ichs ja inzwischen gewohnt bin, im Bus zu schlafen (Russlanderfahrung) schlief ich den größten Teil der Fahrt bis zur University of Lappland in Rovaniemi, wo wir zum Mittag in die Mensa gingen. War so ziemlich genau das gleiche wie in Joensuu, ich frage mich, ob alle finnischen Mensen ihr Essen von einer zentralen Stelle aus geliefert bekommen. Nach dem Essen gabs noch einen kurzen Vortrag über studieren an der nördlichsten Uni Europas, auch hier ziemlich das gleiche wie in Joensuu: ruhig, gute Betreuung, schöne Landschaft… man kennt das ja.
Von Rovaniemi gings noch ein bißchen weiter nach Norden zum Polarkreis (Napapiiri auf finnisch) und ins Santa Claus Village. Der Polarkreis ist da sehr groß eingezeichnet und die Fotos wie wir über ihn drüber gehen waren natürlich obligatorisch.
Unsere Unterbringung in Lappland war dann nochmal über 200km weiter nörlich von Rovaniemi in Hanhimaa in einer alten Schule. Sehr nettes Gebäude, es gab einen Essflur und zwei alte Klassenzimmer, in denen jetzt die Schlafsäale sind. Weiterhinten sind noch mehrere kleine Zimmer, vermutlich die alten Wohn- und Arbeitsräume des Lehrers. Die Zimmer sind aber sehr klasse eingerichtet, es hängen noch Tafeln, Karten und Schaubilder an den Wänden. Außerdem gabs auch ein paar Bücher, wobei mich “Päkäpää” am meisten fasziniert hat, ein Bilderbuch über ein Schaf, dass sich verirrt. Ich hab auf jeder Seite so etwa 3-4 Worte verstanden, ich bin stolz auf mich
Draußen gabs noch eine echte Holzofensauna und das ganze wirklich “in the middle of nowhere”. Da wir ja doch schon recht weit im Norden sind, war es auf der Fahrt dorthin auch schon so ziemlich Nacht, was aber ziemlich geil war, weil wir wunderschöne Polarlichter aus dem Bus raus beobachten konnten. Fotos konnte ich leider keine machen, weil lange Belichtunszeit und fahrender Bus sich nicht ganz vertragen. Es gab ein paar, die auf die schlaue Idee kamen, die Polarlichter anzublitzen, bin mal gespannt was man auf den Bilder sieht *gg* Da wir ja aber noch zwei weitere Nächte in Lapplan verbringen würden, hatte ich die Hoffnung nochmal welche zu sehen. Die hat sich leider nicht erfüllt, da wir den Rest des Wochenendes eine geschlossene Wolkendecke hatten
Sieht wohl so aus, als müsste ich nochmal nach Lappland fahren…
In der Schule jedenfalls gabs dann Vesper zum Abendessen, und danach wurden auch bald die Wodkaflaschen geöffnet. Da wir größtenteils eine sehr nette Gruppe waren hatten wir durchaus unseren Spaß, allerdings hing mir Russland noch etwas in den Knochen und ich bin gegen halb drei ins Bett gegangen, während noch einige draußen (also nicht ganz draußen, sondern halt vor dem Zimmer im Essflur) Party gemacht haben. Bis die ins Bett gingen hab ich nur mehr oder weniger gedöst, als sie dann ins Bett gingen war ich wieder richtig wach, weil ein paar noch meinten “Love and Marriage” in voller Inbrunst etwa eine Stunde lang zu singen. Was solls, mit 4 Stunden Schlaf ist man ja auch mehr als ausgeruht. Leider nur waren die gleichen auch am nächsten morge noch vor mir wach und weckten den Rest des Saals mit verschiedenen gewagten Interpretationen von Beatlesliedern. So ists halt, wenn man in einem Schlafsaal schläft.
Am diesem Tag, Freitag, der 28.10.05, stand dann eine Wanderung im Pallas-Ylläs National Park auf dem Programm. Dieser Park beschützt die Tiere und Landschaft einer Hügelkette dort, wobei die Hügel wenn ich mich richtig erinnere sogar bis 400m hoch sind. Der Plan war auf einen Lookout hochzulaufen und den Blick über die verschneite Landschaft zu genießen. Als wir am Beginn der Wanderroute waren, mussten wir aber feststellen, dass das mit Blick nichts wird, weil auf Grund von Nebel bzw. Wolken die Sichtweite aufunter fünfzig Meter eingschränkt war und außerdem ein durchaus kräftiger Wind bließ. Also schauten wir uns erstmal nur die kleine Ausstellung an und eine kurze Diashow über die Flora und Fauna der Hügelkette. Danach gingen wir doch noch wandern, allerdings nur etwa 1km bis zur nächsten Schutzhütte, die dann auch noch abgeschlossen war. Immerhin konnte man ein paar schöne Fotos im Nebel machen… Da wir im National Park deutlich weniger Zeit verbrachten als, als ursprünglich geplant, hielten wir auf dem Rückweg noch bei einem Künstler und seiner Galerie, bißchen die Bilder angeschaut und wieder aufgewärmt. Außerdem stand ein Klavier, und einige aus unserer Gruppe ließen es sich nicht nehmen, “Für Elise” zum besten zu geben
Wieder zurück in unserer Schule mussten wir selber was kochen (Instantnudeln rocken!) und danach war eigentlich geplant nach Levi zu fahren, die nächste Stadt und mehr oder weniger nur ein Skizentrum, und dort Party zu machen. Da aber irgendwie keiner so recht Lust hatte, vorallem weil man sich auf eine Rückkehr Zeit einigen hätte müssen (unser Busfahrer hätte uns abgeholt, aber nur einmal), ging keiner und wir saßen mal wieder lustig zusammen und haben Party in der Schule gemacht
Unsere Leiterin, die Hanne, hat dann noch draußen auf der Feuerstelle ein kleines Lagerfeuer geschürt und uns Geschichten von den Sami erzählt, also den Ureinwohnern von Lappland. War sehr gemütlich und auch gar nicht so kalt, wir hatten Plusgrade. Das hat man auch am nächsten Morgen gesehen, denn der ganze Schnee war weggeschmolzen und alles eklig naß und matschig.
Der Samstag (29.10.05) war dann eine Tag mit Free-Time in Levi, wobei wir uns entschlossen endlich mal ein bißchen wandern zu gehen. Sonnenschein hatten wir zwar nicht, aber sonst ganz angenehemes Wetter. Am Beginn des Weges stand ein einsames Rentier rum, dass irgendwie sein Geweih verloren hat. Ein paar andere Touris machten gerade Fotos mit ihm und wir stellten uns natürlich auch dazu und streichelten es ein bißchen. Als wir dann unsere Wanderung begannen, folgte uns das Tier ganz selbstverständlich. Es war irgendwie auch niemand anderes da und vielleicht hoffte es von uns Essen zu bekommen oder es dachte, wir wären seine neue Herde. Keine Ahnung, jedenfalls trottete es brav hinter, zwischen und vor uns her, den ganze Berg hinauf. Leider hatte meine Kamera keinen Strom mehr, so dass ich nur Bildmaterial von anderen Leuten zur Verfügung stellen kann. Es war jedenfalls richtig faszinierend, wie schnell der den Berg raufkam und dabei auch noch Gras fressen konnte. Nur als wir dann die Schokocookies auspackten, wurde er etwas aggressiv und hat ihn mir mehr oder weniger aus der Hand geklaut. Er wusste also offensichtlich, dass menschliches Essen besser als Grünzeug ist
Auf dem Weg nach unten hatte er irgendwann dann keine Lust mehr mit uns auf der Straße zu laufen und ist in den Wald abgehauen. Damit haben wir aber eine richtige Rentiererfarhung gemacht. Der Besuch auf der Rentierfarm, der nach der Free-Time angesetzt war, war dann eher enttäuschend, weil man sah keine einziges Rentier und der angekündigte Dinner erschöpfte sich in einem Teller Suppe und eine Schüssel Nachtisch. Wieder zu Hause wurde wie an den Abenden zuvor zusammen Bier konsumiert, Geschichten erzählt und Spiele gespielt. Ingesamt wars etwas ruhiger als an den Abenden zuvor, die Ausdauer lässt halt doch nach und am nächsten Tag gings um 07:30 zum Frühstück.
Am Sonntag, den 30.10.05 war nämlich Heimfahrt, mit Stop im Arktikum und dem Arctic Zoo angesagt. Wir hatten zwar durch die Zeitumstellung eine Stunde mehr Schlaf, trotzdem waren wir alle sehr müde und im Bus wurde bis nach Rovaniemi wo das Arktikum ist erstmal feste geschlafen. Das Arkitikum ist ein Museum über die Bewohner nördlich des Polarkreises, wobei natürlich der Schwerpunkt auf den Sami und Finnland liegt. Alles in allem recht interssant und fast alles auf deutsch beschildert, nur leider waren die Informationen etwas knapp. Dafür dass es 8,50 EUR Eintritt für Studenten gekostet hat, hatte ich mehr erwartet. Nach weiteren 80km Fahrt, so gegen 15 Uhr kamen wir an den Arctic Zoo. Nach langem überlegen zahlte ich doch noch die 7,50 EUR und habe ihn mir angeschaut. Ich muss sagen, er war seinen Eintritt auf jeden Fall wert, besonders weil er einfach wunderschön angelegt ist. Man geht auf Holzbohlenwegen durch den Wald, und die Gehege sind links und rechts in natürliche Umgebung gebaut. Leider wurde es schon recht bald sehr dämmrig und neblig und daher waren die großen Gehege kaum noch einzusehen, Fotos machen erst recht unmöglich. Mit langer Belichtunszeit habe ich zwar die Landschaft ganz schön erwischt, aber die doofen Tiere müssen sich ja bewegen
Was ich aber sehr interessant fand, war der Steingarten, dort sind große Trümmer von verschiedenen Steinarten wie Eisenerz, Kupfererz, Kugelgranit und so weiter und so weiter aufgestellt. Die konnte man wenigstens gut fotografieren, auch wenn sie natürlich nicht so toll wie die Rentiere oder Elche sind. Um 17:00 gings dann auch schon weiter durch die Nacht, noch ein kurzer Stop beim Hessburger und um kurz nach 11 waren wir wieder an der Uni in Joensuu.
Alles in allem hat es mir sehr gut gefallen in Lappland, vorallem natürlich der Anfang bei gutem Wetter und Schnee. Vielleicht fahre ich irgendwann nochmal dorthin, allerdings ist jetzt im Winter natürlich nur noch sehr kurz Tag da oben, was schade ist, wenn man die Landschaft anschauen will. Erstmal hab ich aber genug an der Uni zu tun, Praktikum auswerten, noch weitere Messungen machen und in den Finnischkurs gehen. Und Bilder hochladen natürlich… das mach ich jetzt gleich nach dem Essen!
edit: Ich hab natürlich noch was wichtiges vergessen: in Levi hab ich mir endlich ein schönes Finnenmesser gekauft. Jetzt bin ich ausgerüstet und der nächste Beach-BBQ kann kommen ![]()
Außerdem muss ich mich bei allen entschuldigen die noch Kommentare und Erklärungen in der Gallery erwarten, aber die Gallery2 regt mich so tierisch auf, dass ich keine Lust habe da welche zu schreiben. Weil erstens braucht man tausend Klicks bis man auf “Add Comment” kommt und zweitens muss man dann auch noch zu jedem Comment ein “Subject” schreiben. Weiß net was das soll, aber solange ich keine andere Möglichkeit finde werde ich meine Kommentare auf ein Minimum beschränken. Wenn irgendwas nicht klar ist, bitte melden, ich erklärs gern per IM, e-Mail oder sonst wie ![]()