Obama vs Clinton, Wahlkampf in Wisconsin
Sunday, February 17th, 2008Nach dem Super-Tuesday vor einer Woche ist am kommenden Dienstag nun Wisconsin an der Reihe seine Stimme für einen Kandidaten abzugeben.
Da der Wahlkampf um die Kandidatur von den jeweiligen Kandidaten selber finanziert wird, läuft der vollkommen anders ab als in Deutschland. Es gibt keine Werbeplakate auf den Straßen, dafür tingeln die Kandidaten quer durch das ganze Land um mit emotionalen Reden die Wähler für sich zu gewinnen.
Am Dienstag kam dann Barack Obama nach Madison. Die Gelegenheit wollten wir natürlich nicht missen und haben uns in die Warteschlange vor das Kohl Center gestellt. Die anfangs sehr disziplinierte Schlange ist kurz vor der Türöffnung zu einem drückenden und quetschenden Knäuel geworden. 20.000 Menschen haben wie bei einem Popkonzert gedrängt und geschoben um in die Arena zu gelangen. Könnt ihr euch vorstellen, dass die Menschen in Deutschland zu zehntausenden in eine Halle strömen um Angela Merkel zu sehen, und die Vorstellung war vor ihrer Wahl noch unglaublicher. Da am selben Tag in Washington DC Wahlen waren hat Obama jedoch ziemlich auf sich warten lassen. Die Zeit wurde mit Obama Werbeclips und sehr sehr lauter Musik überbrückt. Nach zwei Vorrednern, die eigentlich mehr Animateure waren, kam dann Obama auf die Bühne. Seine Rede zur Verbesserung des Gesundheitssystems und zur Beendigung des Irak Einsatzes wurde nach jedem vierten Satz von Jubelstürmen der Masse unterbrochen. Natürlich kam in der Universitätsstadt Madison die Idee das Studium bezahlbarer zu machen besonders gut an. Nach 30 Minuten war sein Auftritt auch schon wieder vorüber und Obama wurde von den Massen abgefeiert.
Am Donnerstag erfuhren wir morgens im Büro, dass Bill Clinton heute in Madison spricht. Da Hillary sich auf die bevölkerungsstarken Staaten konzentrieren möchte, trat sie in Wisconsin nur im größeren Milwaukee auf. Den Wahlkampf in Madison machte Bill für sie. Sein Auftritt war allerdings bei weitem nicht so spektakulär wie der von Barack Obama. Auch stand sein Rednerpult nicht etwa in einer riesigen Arena sondern in einer Reithalle, die natürlich kräftig nach Pferd roch. Passend zur Atmosphäre war seine Rede dafür wesentlich persönlicher. Der Inhalt von Hillarys Wahlkampf ist ja mehr oder weniger mit dem von Barack Obama identisch. Aber anstatt Wahlkampfparolen zu verwenden erzählte Bill einige nette Anekdoten zu seiner Frau und was sie und ihre Fähigkeiten auszeichnet. Immer wieder sprach er die Zuhörer an und betonte, ihr müsst entscheiden aber es gibt sich keine geeignetere Person um die Belange eines Landes zu lenken.
Die Rede von Clinton war, obwohl er viel seltener von Beifallstürmen unterbrochen wurde, doppelt solange wie die von Obama. Durch die persönliche Note hat sie mir aber wesentlich besser gefallen. Auf diese Art hat er das Gefühl vermittelt nicht einfach eine stereotype Wahlkampfrede abzuspulen. Auch wenn das Gefühl täuschen mag und diese Rede vermutlich schon ähnlich oft vorgetragen wurde wie die von Obama.