Archive for the ‘BIGfalken talo’ Category

Die letzten Tage

Monday, December 19th, 2005

Also tut mir leid, dass ich jetzt gleich drei Posts hintereinander habe, aber ich dachte es ist besser die Berichte etwas aufzuteilen, dass man nicht gleich so viel auf einmal lesen muss. Außerdem habe ich sie ja auch aufgeteilt geschrieben…
Hier in Joensuu hats jetzt endlich richtig viel Schnee, hat nochmal kräftig geschneit während ich in Helsinki war. Vor meinem Fenster wurde der Bolzplatz zu einer Eisbahn umgebaut und ist richtig bevölkert mit Finnen die Eishockey spielen. Sind mehr Leute da, als im Sommer auf dem Bolzplatz waren :-)
Packen geht ganz gut voran, morgen nochmal den Rest fertig machen und alles putzen und so weiter. Und dann bin ich auch schon so gut wie zu Hause! Freue ich mich ja doch schon. Aber ich kanns nur nochmal betonen, Finnland war wunderschön und es hat mir sehr, sehr gut gefallen hier. Ein dickes Dankeschön an all die netten Leute hier und wir werden uns wiedersehen!!!

Im Zug nach Joensuu

Monday, December 19th, 2005

Jetzt sitze ich im Zug nach Joensuu zurück und kenne zwei Hauptsädte mehr: Tallinn, Estland und Helsinki, Finnland. Haben mir beide sehr gut gefallen.
Nachdem ich am Donnerstag (15.12.05) erfolgreich und problemlos die Franzi vom Flugfhafen abgeholt hatte, haben wir in unserer Jugendherberge einecheckt. War jetzt nicht direkt das, was man sich unter einem guten Hotel vorstellt, aber für uns hat es für zwei Nächte gut getaugt. Abends sind wir noch bißchen durch Helsinki gelaufen und haben uns natürlich den “Stockmann”, das größte Kaufhaus am Ort und den Weihnachtsmarkt angeschaut. Der Weihnachtsmarkt war nicht so beeindruckend, da gibts in Deutschland schönere und größere. Dafür gab es aber einen Stand mit gebrannten Mandeln, der die besonders gewürzt hat und die waren wirklich richtig lecker. So gute habe ich daheim noch nie gegessen.
Am Freitagmorgen (16.12.05) gings dann los nach Tallinn, und wie der Zufall es so haben wollten, haben wir auf der Fähre die Heidi und ihre Schwester getroffen. Hat mich sehr gefreut, so zufällige Begenungen sind immer die besten. Die Überfahrt ging schnell rum und Tallinn tauchte vor uns im Nebel auf. Liegt sehr schön da die Stadt, leider war das Wetter nicht ganz so, wie uns gewünscht hatten: kalt, neblig und es schneite. Aber in den Gassen der Stadt gings eigenltich ganz gut und das schöne war, dass nach zwei Stunden alles wie mit Puderzucker überzogen war. Der Blick von der Festungsberg war deswegen besonders schön. Auch sonst hat mir die Stadt sehr gut gefallen, überall kleine Gallerien und Cafés, die alles irgendwie was besonderes haben. In einer mussten wir dann auch ein paar Postkarten und einen Kalender kaufen. Gegessen haben wir dann im “Amarillo”, ein Tex-Mex Restaurant, dass es auch in Joensuu gibt. Noch schnell ein bißchen Vodka gekauft (der erstaunlicherweise gar nicht sooo billig war) und dann mussten wir leider schon wieder gehen, denn die letzte Fähre fährt im Winter um 17:25. Zwar war es da auch schon lange dunkel, aber so ein bißchen durch die Stadt gelaufen wäre ich schon noch gerne.
Am nächsten Tag (17.12.05) stand dann ein Stadtrundgang durch Helsinki auf dem Programm. Wir hatten fast blauen Himmel, etwas, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Dafür waren die Temperaturen auch entsprechend niedrig, -5° bis -8°C. Deshalb besuchten wir nur die wichtigsten und nahen Attraktionen und verbrachten die meiste Zeit in verschieden Shopping-Malls. Davon gibts in Helsinki echt viele, ist bei dem Wetter wohl ganz praktisch. Außerdem haben wir noch eine Markthalle besucht mit einem richtig guten Bäcker und vielen Metzgern und sonstigen Delikatesshändlern. Metzger zu finden ist sehr schwer in Finnland, da das meiste Fleisch von Supermarktketten verkauft wird. In Joensuu kenne ich zum Beispiel nur einen einzigen kleinen Metzger. Überhaupt gibt es in Helsinki viel, was es in Joensuu nicht gibt, sei es wegen der Größe oder, wie im Falle eines H&M, weil es so weit von Schweden weg liegt. In Helsinki hat man riesige Kaufhäuser und viele verschieden Läden, sehr viele Cafés und Restaurants, viele Autos und noch mehr Leute auf der Straße. Hat mich fast ein bißchen an Stuttgart erinnert, aber wohl einfach nur deswegen weil was los war :-) Auf jeden Fall hat es mir verdammt gut gefallen, es ist einfach ganz anders als der Rest von Finnland. Wenn ich Finnland mal wieder besuche, werde ich wohl auch ein paar Tage in Helsinki verbringen. Ich möchte vorallem auch noch in diese Felskirche rein, die hatte leider geschlossen als wir dort waren.
Soweit der Bericht von meinem Ausflug in den Süden, in ein paar Stunden bin ich wieder zu Hause in Joensuu und muss da noch viel organisieren: packen, aufräumen, Konto auflösen, etc. pp. Ich melde mich aber nochmal, bevor ich fliege!

In Helsinki

Monday, December 19th, 2005

Ziemlich viel passiert in letzter Zeit und ich hab mich hier gar nicht gemeldet. Zur Zeit sitz ich in Helsinki am Flughafen und warte auf die Franzi, hab also endlich mal wieder Zeit bißchen zu bloggen (wenn auch nur offline). Mit dem Praktikum sind wir soweit fertig, ich hoffe nur, dass alle Auswertungen anerkannt werden.
Auf jeden Fall haben wir in Joensuu jetzt richtig viel Schnee *freu*. Fahrradfahren ist zwar etwas erschwert dadurch, aber das macht nichts, dafür ist es irgendwie richtig weihnachtlich. Dazu trägt auch bei, dass ich letzten Mittwoch (07.12.05) bei einer Finnin zum Plätzchen backen war. Dort gabs dann auch leckeren Glögi (sowas wie Glühwein, nur ohne Wein dafür mit Saft) und finnische Weihnachtslieder. Sehr nett. Außerdem fand nach dem letzten mal Gigglin Marlin (am 11.12.05) eine richtig kräftige Schneeballschlacht unter den Internationalstudents statt. Es hatte den ganzen Abend geschneit und der Räumdienst war noch nicht dagewesen, so dass man genug Munition fand um wild durch die Gegend zu werfen. Und ich dachte immer, nur Physiker seien so verspielt, aber da hat echt jeder mitgemacht.
Jetzt hab ich natürlich die chronologische Reihenfolge verlassen… egal. Am Freitag (09.12.05) jedenfalls war noch ein Live-Konzert im Teatteriklubi. Leider haben die nicht sehr lange gespielt, dabei wars echt ziemlich ehrlicher und gute Rock. Aber die Finnen sind ja nie ums weiterfeiern verlegen und irgendjemand hatte einen Schlüssel zu einem Raum in der Uni. Da sind dann alle hingegangen und dort gabs Sauna, Glögi und Piroggen bis morgens um 5. Nach dieser langen Nacht war ich am Samstag (10.12.05) etwas platt und bin nur kurz zum Konzert vom Flo gegangen. Der Flo ist ja auch einer aus Erlangen, der hier in der Uni Big Band mitspielt und die haben eben ein öffentliches Auftritt gehabt. War sehr lustig, vorallem die “Smoke on the water” Interpretation hat mir gefallen.
Am Sonntag (11.12.05) vor dem Gigglin aben wir noch ein letztes mal in Finnland AD&D gespielt. Immerhin haben wir das Abenteuer zu einem gewissen Abschluss gebracht, auch wenn es sehr schade ist, dass die Heidi wenn wir wieder in Deutschland sind, nicht mehr mitspielen kann.
Gestern (14.12.05) hab ich noch bisschen aufgeräumt bei mir und mich von einige Leuten verabschiedet die am Freitag schon fliegen und bin dann heute früh (15.12.05) um 06:10 Uhr mit dem Zug nach Helsinki gefahren. Wenn die Franzi da ist, werden wir uns bißchen Helsinki anschauen und morgen für einen Tag kurz nach Tallinn übersetzen. Die Fähren sind recht günstig und fahren nur ein-einhalb Stunden. Werde dann erzählen, was wir so erlebt haben, wenn ich am Sonntag wieder in Joensuu bin.

Die Tanzfläche

Monday, December 5th, 2005

Okay, nur ganz kurz eine kleine Frage von mir. Also wirklich nur ganz, ganz, ganz, ganz kurz. Aber je mehr “ganz” ich schreibe, desto länger wirds ja, obwohl ein weiteres “ganz” ja ausdrückt, dass es kürzer ist… erkennt ihr das Paradoxon?
Nun zur Vorgeschichte meiner Frage: wir waren heute mal wieder im Gigglin Marlin (wie fast jeden Sonntag, ihr wisst ja, kein Eintritt und Bier nur 2 EUR). Heute war dort richtig viel los und es bewegten sich auch einige Leute auf der Tanzfläche. Da ich auch ein bißchen was getrunken hatte, mischte ich mich unter die Tänzer und tat so, als ob ich mich auch im Takt bewegen könnte. Allerdings kann ich das ja nicht so gut, aber faszinierenderweise finde ich auch, dass alle anderen sich nur mehr oder weniger lächerlich zur Musik bewegen. Das mag daran liegen, dass ich die Musik die da gespielt wird ziemlich schlecht finde oder aber das keiner tanzen kann. Beides glaube ich aber nicht wirklich… deswegen hier meine Frage: Geht euch das auch so? Ich meine, müsst ihr jedes mal, wenn ihr in einer Disco tanzen seid, über euch und die anderen amüsieren? Oder bin ich da nur irgendwie seltsam veranlagt? Vielen Dank für zahlreiche Kommentare ;-)

PS: hoffe niemand nimmt mir diesen Beitrag (und dessen Rechtschreib-, Stil- und Grammatikfehler) übel, es ist ja nicht so, dass ich noch nüchtern wäre. Dachte nur ich schreib gleich, weil bis morgen hätte ich ja die Frage vergessen *g*

Ziiiiiiiiiieh!

Thursday, December 1st, 2005

Jetzt habe ich doch eine ganze Weile nichts von mir hören lassen, hatte aber auch ziemlich viel zu tun in letzter Zeit. Da die Wünsche nach einem weiteren Beitrag aber imm lauter wurden, will ich mich nicht länger bitten lassen ;-)
Letztes Wochenede war ich in Kuusamo, das wird den Wintersportfreunden unter euch sicher was sagen. Wir waren dort, weil da das zweite Weltcupskispringen dieses Jahr stattgefunden hat und wir die Gelegenheit nutzten mal wieder etwas aus Joensuu rauszukommen und den hohen Norden zu erkunden.
Am Freitag (25.11.05) gings in aller Frühe los, wir hatten uns um dorthin zu kommen einen Leihwagen beim Europcar genommen. Natürlich Diesel, denn es sind gute 600km bis nach Kuusamo. Und Diesel kostet hier etwa 0,25 EUR weniger pro Liter als Super. Reserviert und bezahlt hatten wir ein Auto in Golf-Größe, da gabs aber keinen Diesel mehr, deswegen durften wir einen 407 SW nehmen. Richtig schönes Auto (find ich) mit schön viel Platz hintem im Kofferraum. Genug Platz für viele Taschen, ein Snowboard, 2 Laptops (ganz wichtig, sonst gäbs ja keine Musik), Boxen und 2kg Nudeln. Einen kleinen Nachteil hatte das Auto allerdings: die Heizung ging nicht :-( Da es bei einem Diesel ja traditionell länger braucht, bis er warm ist, haben wir uns erst nach etwa einer halben Stunde richtig Sorgen gemacht und alles ausprobiert was uns eingefallen ist, die Heizung zum Leben zu erwecken, wie Motor an/aus, Klimaanlage an/aus etc pp. Hat alles nichts geholfen, deswegen haben wir mal die Leute vom Europcar angerufen. Die waren sehr freundlich und haben uns angeboten in Kajaani das Auto zu wechseln. Kajanni war nochmal etwa 100km, also etwas mehr als eine Stunde Fahrt auf den finnischen Straßen entfernt (es lag zwar kein Schnee, aber es ist halt trotzdem keine Autobahn). Aber wir haben das Angebot natürlich angenommen und es ging alles ganz problemlos und unbürokratisch, auch wenn wir in einen Seat Cordoba wechseln mussten. Der ist aber auch gut gefahren und er war auch schön kuschlig warm ;-). Der größte Vorteil an der ganzen Aktion war, dass wir den Sprit bis nach Kajaani nicht bezahlen mussten! Ohne weiter Zwischenfälle kamen wir in Kuusamo an und bezogen unsere Cottages. Wir hatten vier 8-Mann Hütten, die alle mit offenem Kamin, Küche, Bad und natürlich Sauna ausgestattet waren. Wirklich sehr geräumig und sehr gemütlich. Abends ging dann wie bei den Internationl-Students üblich große Party.
Viel geschlafen wurde nicht, denn am nächsten Morgen (Samstag, 26.11.05) wollten wir um 10 los in einen Nationalpark um bißchen zu wandern. Da es ja da oben um 2 schon wieder dunkel ist, muss man gucken, dass man den Tag möglichst gut ausnützt. Viel früher los hätte aber auch nix gebracht, weil es erst gegen halb 10 hell geworden ist. ;-) Der Nationalpark war sehr nett, vorallem da es in der Nacht kräftig geschneit hatte und alles schön weiß war. Nach ein paar Stunden Wanderung gings zurück nach Kuusamo und dort direkt zum Skispringen. Wir waren bißchen spät dran und wollten uns etwas beeilen, deswegen haben wir vom Parkplatz aus durch den Wald abgekürtzt. Zwischen ein paar Container durch und schon standen wir direkt am Auslauf der Schanze, ohne an einer Kasse vorbeigekomen zu sein. Somit hat sich jeder von uns 10 EUR gespart… auch recht. Das Springen war eigenltich sehr interessant, ist schon ein ganz anderes Flair als z.B. bei einem Fußballspiel. Leider wurde es nur ziemlich schnell ziemlich kalt, weil man da ja nur rumsteht und wenns bei -2° windet kommt die Kälte irgendwann auch durch die dickste Kleidung. Zum Glück hatten wir Tee mit Rum dabei *g*. Nach dem Skispringen war dann nicht mehr viel mit Party, die letzte Nacht und der lange Tag (also Tag im Sinne von wach sein, nicht im Sinne von hell ;-) ) hat doch die meisten geschafft.
Unseren letzten Tag im Skiegebiet (Sonntag, 27.11.05) verbrachten wir mit Skifahren, wobei ich nur 3h auf der Piste war. Hat aber auch vollkommen gereicht, das Gebiet ist jetzt eher weniger groß. Hat immerhin 3 Lifte und 3 Pisten und das ganze ist mindestens 300m hoch. Als wir gegen Mittag oben ein bißchen rumgeschaut haben, ging hinter dem Nachbarhügel gerade die Sonne auf! Ein roter Feuerball der nur wenige Grad über dem Horizont hing. Richtig beeindruckend! Als Abschluss nach dem Skifahren genoss ich nochmal Sauna und dann ging es wieder auf die Straße Richtung Heimat. Diesmal war die gesamte Strecke mit einer geschlossenen Schneedecke überzogen, was das Fahren nicht direkt einfacher machte. Aber da ja alle finnischen Autos mit Spikes ausgestattet sind, kamen wir doch noch gut an und ich bin um 4 Uhr morgens total erledigt in mein Bett gefallen. Einem anderen Auto erging es leider nicht so gut, die haben die Kontrolle auf der spiegeglatten Fahrbahn verloren und das Auto aufs Dach gelegt. Mehr ist zum Glück nicht passiert.
Leider konnte ich nach der Fahrt auch nicht ausschlafen, denn am Montag (26.11.05) musste das Auto bis um 9 Uhr zurückgegeben worden sein. In der Nacht hat es hier nochmal richtig Schnee hergehauen und vom Europcar mit dem Fahrrad zurückfahren war sehr anstrengend. Es lagen etwa 15cm Neuschnee, allerdings recht pappig so dass es gemein Spurrillen gab und ich eigenltich mehr gerutscht als gefahren bin. Aber ich will mich ja nicht beschweren, ich mag ja Schnee und bin froh, dass endlich alles weiß hier ist.
Vorallem dass es an meinem Geburtstag (30.11.05) geschneit hat freut mich besonders. A propos Geburtstag, nochmal ein dickes Dankeschön an die Köche der leckeren Pizza beim reinfeiern (war ja gar nicht geplant) und dan Flo für sein kleines Ständchen. Gestern Abend wurde dann noch gebührend rausgefeiert auf der “Pikkojoulu”-Party im Kimmel (Disco). “Pikkojoulu” heißt so viel wie “kleines Weihnachten”, war also eine Christmasparty. Auch da sind wir nicht früh heimgekommen und heute morgen beim messen waren eigentlich noch alle etwas durch den Wind. Zum Glück war das unsere letzte Messung hier, jetzt heißts nur noch Auswerten und dann ist das auch geschafft. Aber das Semester ist ja auch bald zu Ende… in sofern werde ich nicht mehr so oft aus Finnland berichten können. Aber vielleicht lass ich ja wenn ich zurück bin auch aus Deutschland wieder was von mir hören.
So, ich denke das ist erstmal mehr als genug Text, man ließt sich!

Schnee in Finnland

Tuesday, November 22nd, 2005

Jetzt hab ich mich ja schon wirklich lange nicht mehr gemeldet, da sieht man mal, wie beschäftigt ich hier bin: ständig Parties und Praktikum vorbereiten strängt halt wirklich an. Letztes Wochenede waren dann mein Opa und mein Vater zu Besuch, was mich wirklich sehr gefreut hat. Wir hatten einen Mietwagen und konnten so ein bißchen in der Gegend rumfahren. In Joensuu gibts auch sightseeing-mäßig nicht wirklich was zu sehen, die Landschaft drumrum ist dafür um so schöner. Am Freitag waren wir dann in Koli, dieser “berühmte” Nationalpark hier in der Gegend mit dem unwahrscheinlichen hohen Berg Ukko-Koli, der ganze 347m über dem Meeresspiegel ragt :-) Trotzallem ist der Blick von oben doch sehr beeindruckend. Am nächsten Tag sind wir nach Ilomantsi gefahren, eine Stadt (eher Dorf) etwa 90km östlich von hier, Richtung russische Grenze. Dort solle eine ganz tolle 6-türmige russisch-orthodoxe Holzkirche stehen. Klingt irgendwie nach groß und beindruckend für mich, aber war dann net ganz so groß. Gut vielleicht bin ich aus Russland auch verwöhnt, aber wirklich besonders fand ich die nicht. Dafür wurde drinnen gerade ein Beerdigungsgottesdienst abgehalten, deswegen sind wir bald wieder gegangen. Das schönste an dem Ausflug war eigentlich die winterliche Landschaft, alles total weiß, sogar der See, denn der war zugefroren. Und auf der gesamten Straße von Joensuu nach Ilomantsi war eine geschlossene Schneedecke. Wir waren da dann recht froh um die Spikes in den Reifen. Abends (naja, es war halt schon dunkel, also vielleicht kurz nach drei) waren wir dann wieder zurück in Joensuu und sind gegen später noch gut Essen gegangen. Schon faszinierend, da wohne ich seit fast 3 Monaten hier und kenne kein einziges Restaurant und dann bekomm ich einmal kurz Besuch und lern 3 kennen. Besonders das Rosso (Italiener) und das Amarillo (Tex-Mex) konnten mich überzeugen. Solange die Finnen nicht ihre eigene traditionelle Küche kochen, ist es wirklich sehr lecker was auf den Tisch kommt *g*. Am Sonntag vormittag sind mein Vater und mein Opa dann wieder geflogen, und ich konnte mich weiter dem Praktikum und den finnisch Vokabeln widmen.
Gestern Abend waren ich bei einem Finnen zum D&D spielen, natürlich auf Englisch. Da unser Spielleiter leider keine Zeit hatte, haben wir nur so ein bißchen das Kampfsystem geübt, war aber sehr nett. Nächste Woche gehts dann richtig los, bin ja mal gespannt wie das auf Englisch so läuft.
Ja, sonst gibts hier nix besonderes, so kurz wie die Tage sind kann man an einem Tag ja auch nicht so viel erleben. Hat mich halt letztens schon sehr geschockt, als ich festgestellt habe, dass um 12 Uhr Mittags die Sonne nicht höher als bis knapp über die Baumwipfel kam… und die Bäume standen weit weg! Wobei es jetzt mit der Dunkelheit ein bißchen besser geworden ist, weil durch den Schnee scheint alles viel heller zu sein :-)

Ich schon wieder

Saturday, November 5th, 2005

Ist mir ja fast peinlich jetzt den dritten Post hintereinander zu schreiben, aber wenn sonst keiner was zu sagen hat ;-) Will auch nur kurz von den Halloween-Erfahrungen hier erzählen. Halloweenparty war hier am Dienstag, nicht am Montag wie sichs gehört. Aber die Finnen verschieben sowieso alles so wies ihnen passt, da ist auch heute (Samstag) Feiertag, obwohl Reformationstag ja eigentlich der 31.10. ist (ich nehme mal, dass die eher Reformationstag als Feiertag haben anstatt Allerheiligen, immerhin sind hier über 95% evangelisch). Aber egal, jedenfalls war am Dienstag die Halloweenparty und ich war erstaunt, es war echt fast jeder verkleidet dort. Ich natürlich nicht… deswegen bin ich dann auch relativ schnell wieder gegangen, mir war eh nicht so nach Party und wenn man dann auch noch auffällt, weil man so normal aussieht machts nicht mehr so viel Spaß. Rötzi war dafür sehr genial verkleidet, er hat sich aus alten Bierkartons und Kronkorken ein Kostüm als Bierkönig gemacht. Fand ich klasse ;-)
Aber nicht nur Party gibts hier an Halloween, sondern auch “Cinemare”, eine Horror-Film-Nacht im Kino. Da waren wir dann gestern die ganze Nacht und da kamen richtig geile Sachen. Als erstes lief “Oldboy”, der soll eigenltich ziemlich gut sein nur leider hatten wir wieder das Glück die Orginalversion zu sehen, das bedeutet in diesem Fall koreanisch mit finnischen und schwedischen Untertiteln… hab da dann mal wieder nicht so viel verstanden. Egal, den nächsten Film hätte ich dafür wohl auch auf Suhali verstanden, “The Burning” ein klassicher B-Movie aus den 80er. Kaum Handlung, jedenfalls nicht mehr als man bei dem Spiel “Graverobbers from outer space” auch hat *g*. Als dritter Film kam die Krönung des Abends “Re-Animator” ein Film nach einer Geschichte von Lovecraft mit Jeffery Combs, einer der coolsten Schauspieler dens gibt. Und der Film hatte auch richtig Handlung und alles… sehr geil. Als letztes lief noch “Toxic Avenger”, das war dann eher eine Persiflage auf die ganzen Superhero-Sachen. Auch sehr lustig. Insgesamt also ein sehr lohnenswertet Abend, auch wenn ich erst um 6 heute früh im Bett war.
So, ich geh dann jetzt mal AD&D spielen, und vielleicht erfahren wir ja auch mal wieder was neues aus Israel und Spanien.

Wo der Weihnachtsmann wohnt

Monday, October 31st, 2005

Genau da war ich: in Rovaniemi, Polarkreis, Lappland, Finnland, da wo der Weihnachtsmann wohnt. Und er wohnt da wirklich, ich hab ihn gesehen! Allerdings habe ich kein Bild von ihm, denn der alte Mann ist ganz schön gierig: 19 EUR will er für ein Foto haben!! Und da ich ja eh glaube, dass das Christkind und nicht der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, wars mir das nicht wert. Habe dafür genug andere Fotos gemacht, die ich dann auch gleich hochladen werde.
Am Donnerstag, den 27.10.05 gings in aller Frühe mit der Hinfahrt los (es war jedenfalls noch dunkel draußen!), wir stapften durch den Schnee zur Uni wo unser Bus losfuhr. Da ichs ja inzwischen gewohnt bin, im Bus zu schlafen (Russlanderfahrung) schlief ich den größten Teil der Fahrt bis zur University of Lappland in Rovaniemi, wo wir zum Mittag in die Mensa gingen. War so ziemlich genau das gleiche wie in Joensuu, ich frage mich, ob alle finnischen Mensen ihr Essen von einer zentralen Stelle aus geliefert bekommen. Nach dem Essen gabs noch einen kurzen Vortrag über studieren an der nördlichsten Uni Europas, auch hier ziemlich das gleiche wie in Joensuu: ruhig, gute Betreuung, schöne Landschaft… man kennt das ja.
Von Rovaniemi gings noch ein bißchen weiter nach Norden zum Polarkreis (Napapiiri auf finnisch) und ins Santa Claus Village. Der Polarkreis ist da sehr groß eingezeichnet und die Fotos wie wir über ihn drüber gehen waren natürlich obligatorisch.
Unsere Unterbringung in Lappland war dann nochmal über 200km weiter nörlich von Rovaniemi in Hanhimaa in einer alten Schule. Sehr nettes Gebäude, es gab einen Essflur und zwei alte Klassenzimmer, in denen jetzt die Schlafsäale sind. Weiterhinten sind noch mehrere kleine Zimmer, vermutlich die alten Wohn- und Arbeitsräume des Lehrers. Die Zimmer sind aber sehr klasse eingerichtet, es hängen noch Tafeln, Karten und Schaubilder an den Wänden. Außerdem gabs auch ein paar Bücher, wobei mich “Päkäpää” am meisten fasziniert hat, ein Bilderbuch über ein Schaf, dass sich verirrt. Ich hab auf jeder Seite so etwa 3-4 Worte verstanden, ich bin stolz auf mich :-D Draußen gabs noch eine echte Holzofensauna und das ganze wirklich “in the middle of nowhere”. Da wir ja doch schon recht weit im Norden sind, war es auf der Fahrt dorthin auch schon so ziemlich Nacht, was aber ziemlich geil war, weil wir wunderschöne Polarlichter aus dem Bus raus beobachten konnten. Fotos konnte ich leider keine machen, weil lange Belichtunszeit und fahrender Bus sich nicht ganz vertragen. Es gab ein paar, die auf die schlaue Idee kamen, die Polarlichter anzublitzen, bin mal gespannt was man auf den Bilder sieht *gg* Da wir ja aber noch zwei weitere Nächte in Lapplan verbringen würden, hatte ich die Hoffnung nochmal welche zu sehen. Die hat sich leider nicht erfüllt, da wir den Rest des Wochenendes eine geschlossene Wolkendecke hatten :-( Sieht wohl so aus, als müsste ich nochmal nach Lappland fahren…
In der Schule jedenfalls gabs dann Vesper zum Abendessen, und danach wurden auch bald die Wodkaflaschen geöffnet. Da wir größtenteils eine sehr nette Gruppe waren hatten wir durchaus unseren Spaß, allerdings hing mir Russland noch etwas in den Knochen und ich bin gegen halb drei ins Bett gegangen, während noch einige draußen (also nicht ganz draußen, sondern halt vor dem Zimmer im Essflur) Party gemacht haben. Bis die ins Bett gingen hab ich nur mehr oder weniger gedöst, als sie dann ins Bett gingen war ich wieder richtig wach, weil ein paar noch meinten “Love and Marriage” in voller Inbrunst etwa eine Stunde lang zu singen. Was solls, mit 4 Stunden Schlaf ist man ja auch mehr als ausgeruht. Leider nur waren die gleichen auch am nächsten morge noch vor mir wach und weckten den Rest des Saals mit verschiedenen gewagten Interpretationen von Beatlesliedern. So ists halt, wenn man in einem Schlafsaal schläft.
Am diesem Tag, Freitag, der 28.10.05, stand dann eine Wanderung im Pallas-Ylläs National Park auf dem Programm. Dieser Park beschützt die Tiere und Landschaft einer Hügelkette dort, wobei die Hügel wenn ich mich richtig erinnere sogar bis 400m hoch sind. Der Plan war auf einen Lookout hochzulaufen und den Blick über die verschneite Landschaft zu genießen. Als wir am Beginn der Wanderroute waren, mussten wir aber feststellen, dass das mit Blick nichts wird, weil auf Grund von Nebel bzw. Wolken die Sichtweite aufunter fünfzig Meter eingschränkt war und außerdem ein durchaus kräftiger Wind bließ. Also schauten wir uns erstmal nur die kleine Ausstellung an und eine kurze Diashow über die Flora und Fauna der Hügelkette. Danach gingen wir doch noch wandern, allerdings nur etwa 1km bis zur nächsten Schutzhütte, die dann auch noch abgeschlossen war. Immerhin konnte man ein paar schöne Fotos im Nebel machen… Da wir im National Park deutlich weniger Zeit verbrachten als, als ursprünglich geplant, hielten wir auf dem Rückweg noch bei einem Künstler und seiner Galerie, bißchen die Bilder angeschaut und wieder aufgewärmt. Außerdem stand ein Klavier, und einige aus unserer Gruppe ließen es sich nicht nehmen, “Für Elise” zum besten zu geben :-) Wieder zurück in unserer Schule mussten wir selber was kochen (Instantnudeln rocken!) und danach war eigentlich geplant nach Levi zu fahren, die nächste Stadt und mehr oder weniger nur ein Skizentrum, und dort Party zu machen. Da aber irgendwie keiner so recht Lust hatte, vorallem weil man sich auf eine Rückkehr Zeit einigen hätte müssen (unser Busfahrer hätte uns abgeholt, aber nur einmal), ging keiner und wir saßen mal wieder lustig zusammen und haben Party in der Schule gemacht :-) Unsere Leiterin, die Hanne, hat dann noch draußen auf der Feuerstelle ein kleines Lagerfeuer geschürt und uns Geschichten von den Sami erzählt, also den Ureinwohnern von Lappland. War sehr gemütlich und auch gar nicht so kalt, wir hatten Plusgrade. Das hat man auch am nächsten Morgen gesehen, denn der ganze Schnee war weggeschmolzen und alles eklig naß und matschig.
Der Samstag (29.10.05) war dann eine Tag mit Free-Time in Levi, wobei wir uns entschlossen endlich mal ein bißchen wandern zu gehen. Sonnenschein hatten wir zwar nicht, aber sonst ganz angenehemes Wetter. Am Beginn des Weges stand ein einsames Rentier rum, dass irgendwie sein Geweih verloren hat. Ein paar andere Touris machten gerade Fotos mit ihm und wir stellten uns natürlich auch dazu und streichelten es ein bißchen. Als wir dann unsere Wanderung begannen, folgte uns das Tier ganz selbstverständlich. Es war irgendwie auch niemand anderes da und vielleicht hoffte es von uns Essen zu bekommen oder es dachte, wir wären seine neue Herde. Keine Ahnung, jedenfalls trottete es brav hinter, zwischen und vor uns her, den ganze Berg hinauf. Leider hatte meine Kamera keinen Strom mehr, so dass ich nur Bildmaterial von anderen Leuten zur Verfügung stellen kann. Es war jedenfalls richtig faszinierend, wie schnell der den Berg raufkam und dabei auch noch Gras fressen konnte. Nur als wir dann die Schokocookies auspackten, wurde er etwas aggressiv und hat ihn mir mehr oder weniger aus der Hand geklaut. Er wusste also offensichtlich, dass menschliches Essen besser als Grünzeug ist :-) Auf dem Weg nach unten hatte er irgendwann dann keine Lust mehr mit uns auf der Straße zu laufen und ist in den Wald abgehauen. Damit haben wir aber eine richtige Rentiererfarhung gemacht. Der Besuch auf der Rentierfarm, der nach der Free-Time angesetzt war, war dann eher enttäuschend, weil man sah keine einziges Rentier und der angekündigte Dinner erschöpfte sich in einem Teller Suppe und eine Schüssel Nachtisch. Wieder zu Hause wurde wie an den Abenden zuvor zusammen Bier konsumiert, Geschichten erzählt und Spiele gespielt. Ingesamt wars etwas ruhiger als an den Abenden zuvor, die Ausdauer lässt halt doch nach und am nächsten Tag gings um 07:30 zum Frühstück.
Am Sonntag, den 30.10.05 war nämlich Heimfahrt, mit Stop im Arktikum und dem Arctic Zoo angesagt. Wir hatten zwar durch die Zeitumstellung eine Stunde mehr Schlaf, trotzdem waren wir alle sehr müde und im Bus wurde bis nach Rovaniemi wo das Arktikum ist erstmal feste geschlafen. Das Arkitikum ist ein Museum über die Bewohner nördlich des Polarkreises, wobei natürlich der Schwerpunkt auf den Sami und Finnland liegt. Alles in allem recht interssant und fast alles auf deutsch beschildert, nur leider waren die Informationen etwas knapp. Dafür dass es 8,50 EUR Eintritt für Studenten gekostet hat, hatte ich mehr erwartet. Nach weiteren 80km Fahrt, so gegen 15 Uhr kamen wir an den Arctic Zoo. Nach langem überlegen zahlte ich doch noch die 7,50 EUR und habe ihn mir angeschaut. Ich muss sagen, er war seinen Eintritt auf jeden Fall wert, besonders weil er einfach wunderschön angelegt ist. Man geht auf Holzbohlenwegen durch den Wald, und die Gehege sind links und rechts in natürliche Umgebung gebaut. Leider wurde es schon recht bald sehr dämmrig und neblig und daher waren die großen Gehege kaum noch einzusehen, Fotos machen erst recht unmöglich. Mit langer Belichtunszeit habe ich zwar die Landschaft ganz schön erwischt, aber die doofen Tiere müssen sich ja bewegen :-) Was ich aber sehr interessant fand, war der Steingarten, dort sind große Trümmer von verschiedenen Steinarten wie Eisenerz, Kupfererz, Kugelgranit und so weiter und so weiter aufgestellt. Die konnte man wenigstens gut fotografieren, auch wenn sie natürlich nicht so toll wie die Rentiere oder Elche sind. Um 17:00 gings dann auch schon weiter durch die Nacht, noch ein kurzer Stop beim Hessburger und um kurz nach 11 waren wir wieder an der Uni in Joensuu.
Alles in allem hat es mir sehr gut gefallen in Lappland, vorallem natürlich der Anfang bei gutem Wetter und Schnee. Vielleicht fahre ich irgendwann nochmal dorthin, allerdings ist jetzt im Winter natürlich nur noch sehr kurz Tag da oben, was schade ist, wenn man die Landschaft anschauen will. Erstmal hab ich aber genug an der Uni zu tun, Praktikum auswerten, noch weitere Messungen machen und in den Finnischkurs gehen. Und Bilder hochladen natürlich… das mach ich jetzt gleich nach dem Essen!

edit: Ich hab natürlich noch was wichtiges vergessen: in Levi hab ich mir endlich ein schönes Finnenmesser gekauft. Jetzt bin ich ausgerüstet und der nächste Beach-BBQ kann kommen ;-)
Außerdem muss ich mich bei allen entschuldigen die noch Kommentare und Erklärungen in der Gallery erwarten, aber die Gallery2 regt mich so tierisch auf, dass ich keine Lust habe da welche zu schreiben. Weil erstens braucht man tausend Klicks bis man auf “Add Comment” kommt und zweitens muss man dann auch noch zu jedem Comment ein “Subject” schreiben. Weiß net was das soll, aber solange ich keine andere Möglichkeit finde werde ich meine Kommentare auf ein Minimum beschränken. Wenn irgendwas nicht klar ist, bitte melden, ich erklärs gern per IM, e-Mail oder sonst wie :-)

Back from the USSR

Wednesday, October 26th, 2005

Auch wenn die meisten von euch es wohl nicht glauben können, aber ich bin wieder aus Russland zurückgekehrt, heil und unversehrt. “I’m back from the USSR, you don’t know how lucky you are boy”, um mal die Beatles etwas entfremdet zu zitieren ;-) Nein, im Ernst, es war richtig schön und gar nicht so anders und gefährlich wie ich gedacht habe.
Angefangen hat das ganze am Mittwoch, den 19.10.05 mit der Hinreise: Mein Wecker klingelte um 4:35 Uhr. Das gab mir genug Zeit noch etwas zu frühstücken, Brote zu schmieren und noch einen letzten Blick durch mein Zimmer zu werfen und trotzdem noch pünktlich um 06:10 den Zug nach Kouvola zu nehmen. Dort wartete der Reisebus auf uns, er war zwar schon mit ein paar Leuten besetzt, aber vorne gab es noch genug Platz für uns Joensuuaner. Die Fahrt bis zur Grenze war logischerweise nicht sehr spekatuklär, die Grenzkontrollen waren dafür eher streng. Da das mit dem Visum aber bei allen problemlos geklappt hatte, gingen sie aber problemlos von statten. Interessanterweise haben die Finnen bei der Ausreise mindestens genauso streng kontrolloiert wie die Russen bei der Einreise. Ich frage mich schon, was ich aus Finnland nach Russland schmuggeln wollen würde… Zigaretten wohl kaum. Wie wir nämlich in Vyborg, dem ersten Dorf hinter der Grenze selbst erfahren durften, kostet die Stange Zigratten in Russland nur etwa 5 EUR. Es steht dann auch Marlboro drauf, die Frage ist halt was drin ist :-) Nach ein paar weiteren Stunden Fahrt durch langweilige russische Landschaft und über sehr holprige russische Straßen kamen wir nach St. Petersburg. St. Petersburg ist mal eine richtig schöne Stadt, auch wenn wir natürlich bei der Ankunft nicht viel davon gesehen haben, außerdem dem Stadion und dem Verkehrchaos. Unser Hotel Sovetskaya war nicht so richtig der Bringer, eine etwas bessere Jugendherberge. Auch der Dinner den wir da bekamen hat mich nicht vom Hocker gerissen, aber immerhin war das Essen warm. Das konnte man von den Zimmern nicht behaupten, anscheindend wurde erst am Tag vorher die Heizung angeschaltet. Nach dem Abendessen mussten wir natürlich noch ein bißchen die Stadt unsicher machen gehen, allerdings ist es nicht so einfach in einer großen Gruppe ein gemeinsames Ziel zu finden. Latitia, Maxim (beides Franzosen), Thomas, Rötzi, Stefan, Martin, Ellen und ich (alles Deutsche) beschlossen in den Club Griboyedov zu gehen. Mit der Metro zur richtigen Station zu fahren, war kein Problem, für 10 RBL (nicht ganz 30 Cent) kann man da einfach einsteigen und so weit fahren wie man will. Dort wussten wir allerdings nicht so genau wohin und fragten kurzerhand eine von den herumstehenden Russinen. Dabei hatten wir richtig Glück, sie wollte nämlich auch dorthin und hat nur noch auf ein paar Freundinnen gewartet. Als die dann kamen sind wir zusammen in den Club geschlappt, haben 200 RBL Eintritt gezahlt und sind die Treppe runter. Da standen wir dann ein einem Kellergewölbe, dass fast wie ein Wohnzimmer eingerichtet war: bequeme Sessel, Bücherregale an der Wand und einen Kicker ;-) Beim ein paar Bier für 50 RBL haben wir uns dann gut auf Englisch mit den Russinen unterhalten und die Franzosen beim kickern plattgefahren. An dem Abend war Retro-Night und es kam anscheinend Musik aus den 80er Jahren, aber natürlich russisch. Ist sehr lustig und die Russen sind auf der Tanzfläche nebenan auch total abegangen. Also wir dann gegen 3 heim wollten, fuhr natürlich keine Metro mehr, aber zwei der Russinen haben uns noch heimbegleitet, war etwa eine halbe Stunde Fußweg. Mit den beiden haben wir dann auch gleich für den nächsten Tag wieder ein Treffen ausgemacht.
Der nächste Tag war logischerweise Donnerstag, der 20.10. und begann mit einer Sightseeing-Tour von St. Petersburg. Jetzt endlich konnte man die tollen Gebäude der Stadt sehen, die St. Isaaks-Kathedrale zum Beispiel oder das State Hermitags Museum. Und natürlich öfters mal einen Fotostop gemacht und überall gleich die Toursitenfänger getroffen, die ihre billigen Fellmützen und Matroschkas und Postkarten und und und an den Mann bringen wollen. Ich bin fast der Versuchung erlegen eine russische Militärkappe zu kaufen, hab mich dann aber doch lieber nur für eine Matroschka entschieden. Nach der Sightseeing-Tour haben wir uns noch das Hermitage-Museum angeschaut, das ist eine Kunstgallerie, vergleichbar mit dem Louvre oder den Uffizien. Riesig groß und ein total geniales Gebäude. Und Studenten kommen umsonst rein :-) Da wir aber alle nicht so die großen Kunstfreaks sind, waren wir nach 2h fertig und sind erstmal in Stroganoff Palace zum Essen gegangen. Und was ist man im Stroganoff Palace außer Boef Stroganov? War auch gar nicht schlecht und die Kellner haben sogar etwas Englisch verstandne. Danach haben wir uns mit unseren neuen russischen Freundinnen getroffen, die eigentlich mit uns Essen gehen wollten, da wir aber ja gerade gegessen hatten und von der Zeit her etwas knapp dran waren, sind wir nur ein bißchen durch die Sommergärten geschlendert und das schöne Herbstwetter genossen. Darüber haben wir fast die Zeit vergessen, und mussten uns mit dem Heimweg zum Hotel sehr beeilen, weil wir pünktlich um 19 Uhr da sein sollten um eine Neva-River-Cruise zu machen. Mit dem Beeilen wars nicht so einfach, weil natürlich gerade Rush-Hour war und die russische Metro richtig voll war. Es hatte den Vorteil, dass man nicht mehr selber laufen musste, weil man ganz einfach geschoben wurde. Der Nachteil war, dass irgendjemand das Chaos nutzte und dem Martin seinen Geldbeutel geklaut hat. Aber mit 300 EUR hat er jetzt vielleicht einen armen Russen glücklich gemacht. Geschafft haben wir es aber dann doch noch pünktlich zum Treffpunkt. Die River-Cruise hat mich persönlich nicht so sehr überzeugt, man saß in dem Boot fast auf der Wasseroberfläche und konnte dadurch kaum über die Kanalufer schauen und sah so sehr wenig von der Stadt. Als Unterhaltung war eine kleine Gruppe russicher Musikanten da, die dann auch das Publikum aufgefordert hat mitzumachen. Ist nicht so mein Fall… Das beste an der ganzen Fahrt war, dass es pro 4er-Tisch eine Flasche Wodka gab. Den Franzosen am Nachbartisch hat die allerdings nicht gereicht und sie haben sich vorsichtshalber gleich zwei weiter gekauft. Das war dann mehr als genug für die Latitia, die wir dann heimtragen durften. Da sie mehr oder weniger gar nicht mehr reagiert hat, haben wir im Hotel dann den Notarzt gerufen, der sie gleich mal ins Krankenhaus mitgenommen hat. Am nächsten Tag gings ihr aber wieder so weit gut, nur Wodka will sie immer noch nicht wirklich trinken.
Am Freitag, den 21.10. gings dann zu Catharina’s Palace den irgendein Zar für seine Frau oder Katharina die Große für sich oder was weiß ich bauen hat lassen. Sehr imposantes Gebäude, aber dafür auch eine totale Massenabfertigung. Wir standen erstmal 20min an der Garderobe an um dann in einer Führung durch die Räume geschleust zu werden. Viel verstanden hab ich nicht, aber viel Gold hab ich gesehen. Dem Bernsteinzimmer durften wir auch noch einen Besuch abstatten, hat mich aber auch net so richtig vom Hocker gerissen. Alles in allem nix besonderes, das Schloss Ludwigsburg kann man sich auch anschauen, wenn man nicht bis Russland fahren will :-) Nachmittags hatten wir “Free time” und sind noch etwas durch St. Petersburg gelaufen. Mittagessen haben wir in einem Art Döner eingenommen, wobei uns beim bestellen eine nette geholfen hat, da die Bedingungen kein Wort Englisch sprachen. Das ist sowieso sehr interessant in Russland: wenn man auf der Straße fragt, trifft mans sehr oft jemanden der gut Englisch kann und einem hilfsbereit was erklärt. Wenn man aber in einem Laden was kaufen will, kann da keiner Englisch. Sehr seltsam. In den Metrounterführungen haben wir dann noch die russischen Plattenläden kennengelernt: eine Wand voll mit CDs die alle für 80 bis 140 RBL verkauft werden. Also extrem günstig, denn es gibt da alle aktuellen Alben. Natürlich nicht so ganz orginal, aber immerhin gepresst. Dafür sind die Cover meistens mit einem schlechten Farbdrucker ausgedruckt und sehen offensichtlich gefälscht aus. Ich hab mir gedacht, wenn ich die Musik mir schon illegal beschaffe, kann ich sie auch aus dem Netz runterladen, dann muss ich die CD schon nicht rippen *g*
Um 20:00 gings dann in den Bus um über Nacht nach Moskau zu fahren. In Moskau kamen wir früh am Samstag, den 22.10 an. Bevor uns im Hotel frisch machen konnten oder so, bekamen wir noch eine Sightseeing-Tour, wobei das wichtigste natürlich der Rote Platz und das Lenin Mausoleum waren. Der Rote Platz ist schon recht beeindruckend, dort steht ja auch die Kirche die man bei jedem Moskau-Korrespondente im Hintergrund sieht. Während der Tour fuhren wir auch zum Sparrow Hill, dort hat man einen sehr schönen Blick über Moskau und hinter sich die Univeristät. Die Uni ist in einem der Hochhäuser die Stalin bauen ließ und damit entsprechend beeindruckend. Aber nicht nur die Uni ist in so einem Hochhaus, sonder auch unser Hotel war in einem solchen. Richtig schönes Hotel, mit dicken Teppichen auf dem Boden und allem. Dort haben wir uns erstmal kurz ausgeruht um dann Abends noch auszugehen. Ellen, Martin und ich sind in den Moskauer Stadtzirkus gegangen. Da ich schon ewig nicht mehr im Zirkus war, war es richtig klasse dort, auch wenn ich denke, dass es größtenteils Standardzirkusprogramm war. Besonders beeindruckt haben micht die Inlineskater-Artisten und die Katzendompteur-Show. Nach dem Zirkus sind wir nochmal in die Stadt gefahren, in der Hoffnung die anderen zu treffen. Allerdings funktioniert Handy und SMS in Russland nicht sehr zuverlässig und so sind wir über den Roten Platz nach Hause gelaufen. Auf dem Roten Platz ist uns was ganz verrücktes passiert: auf einmal kam eine Russin her und hat gemeint, heute wäre der glücklichste Tag in ihrem Leben und sie würde uns deswegen gerne umarmen. Da sie eigentlich ganz freundlich gewirkt hat, haben wir den Spaß mal mitgemacht, ich hatte dabei aber natürlich die ganze Hand am Geldbeutel. Sie wollte aber uns scheints wirklich nru einen Teil von ihrem Glück abgeben…. Leute gibts.
Am nächsten Tag, Sonntag, der 23.10. gings dann in den Kreml. Hier hatten wir eigentlich eine ganz nette Führerin und haben uns dort eben den Palast und den Sitz vom Putin und verschieden Kirchen angeschaut. Die ganzen Geschichten die uns erzählt worden sind hab ich mir nicht mal ansatzweise merken können und statt dessen lieber ein paar Fotos gemacht. Nach dem Kreml haben wir noch die Armory und das dazugehörige Museum angeschaut. Eigentlich wollten wir auch beim Lenin noch vorbeischauen, allerdings macht dessen Mausoleum um 13:00 zu und als wir uns um halb ein anstellen wollten, wars schon zu spät. Faszinierend das so viele Leute einen Toten sehen wollen. Den Nachmittag verbrachten wir mehr oder weniger sinnlos mit Essen und Kaffee trinken, weil das Wetter war nicht so überzeugend, dass man noch in Gorky Park o.ä. fahren hätte müssen. Wobei ich natürlich eigentlich schon wegen “Wind of Change” “walking the Moscva, down to Gorky Park” hätte machen müssen. Nächstes Mal. Wobei ich von Moskau jetzt nicht so überzeugt bin, irgendwie gibts da außer Roten Platz und Kreml und den paar Hochhäusern und 10 Millionen Einwohnern nicht viel. St. Petersburg ist eindeutig schöner. Und da sind wir auch wieder hingefahren, wieder mal über Nacht im Bus.
Am Montag den 24.10. kamen wir also wieder im Venedig des Ostens an. Diesmal gings gleich ins Hotel, wo wir uns nochmal 2h ausruhten, bevor wir ein weiteres Mal an den Kanälen und Herrschaftsgebäuden entlang flanierten. Unser Ziel war die St. Isaaks-Kathedrale, sie hat die viertgrößte Kuppel der Welt. In der Kathedrale ist ein Museum eingerichtet, dass über Geschichte und Bau von ihr berichtet. Richtig interessant und richtig beeindruckend. Überall goldene Ikonen an der Wand und ewig viele schön geschnitzte und vergoldete Figuren. Man konnte auch auf die Kuppel rauf und dort einen recht schönen Rundumblick über St. Petersburg mit seinen goldenen Dächern. Danach wollten wir noch in das Artilleriemuseum, das aber Montags leider zu hat :-( Stattdessen schauten wir uns noch ein bißchen die Peter-und-Paul-Festung an, die liegt auf einer Insel mitten in der Neva und hat auch sehr schön vergoldete Spitzen. Außerdem gingen wir noch in das größten Kaufhaus am Ort, wobei das kein Kaufhaus im eigentlich Sinne ist sondern eher eine Indoor-Shoppingmall. In dem einen Supermarkt haben wir uns dann noch mit guten russischem Wodka eingedeckt, schließlich darf jeder 1 Liter mit über die Grenze nach Finnland nehmen. Abends gings dann nochmal in einen anderen Club. Da wir alle kaum noch Rubel hatten entschieden wir uns für den billigsten, das Marstall. Es kostet keinen Eintritt für Nicht-Russen und das Bier auf nur 50 RBL. Eingerichtet ist es wirklich ein bißchen wie ein alter Pferdestall, vorallem viele Holzbalken an der Decke und ein Balkon mit Sicht über die Tanzfläche. Das krasseste ist aber, das dort an der Tanzfläcke immer zwei Gogo-Tänzerinnen sind, die mehr oder weniger gar nicht bekleidet da rumzappeln. Ich will glaub gar net wissen, wie der Laden sein Geld verdient. Auf jeden Fall hatten wir noch richtig Spaß und haben unseren Reisebegleiter, den Mikko noch etwas abgefüllt, so dass er am nächsten morgen einen richtig dicke Kater hatte. Auch hier mussten wir leider wieder heimlaufen, weil für 7 Leute gibts auch kein Taxen. Ging aber ganz gut und 3h später klingelte mein Wecker und es ging in den Bus.
Rückreise am Dienstag den 25.10. war angesagt. Gibt kaum was darüber zu berichten, Grenze erfolgreich und problemlos passiert und wir haben in Kouvola sogar den Zug bekommen, so dass ich um 21:00 wieder in meiner Wohnung war.
Alles in allem war es ein richtig geiler Ausflug, wir hatten sehr viel Spaß und vorallem St. Petersburg ist eine wunderschöne Stadt. Die Bilder gibts natürlich wieder unter gallery.verplant.org/finnland und alle die noch mehr lesen wollten, können das in Stefans Blog tun. Morgen gehts gleich weiter nach Lappland, allerdings nur kurz übers Wochenende. Deswegen war heute ausruhen und waschen angesagt, was auch soweit geklappt hat. Außerdem haben wir hier in Joensuu jetzt Schnee, für alle dies noch nicht wissen. Sehr faszinierend, im noch recht schöne Herbst mit etwa 15°C losgefahren und eine Woche später im tiefsten Winter mit -5°C angekommen. Gut, tiefster Winter für deutsche Verhätnisse, hier wirds sicher noch anderes aussehen… aber es ist schonmal gut sich ans Fahrradfahren auf Eis zu gewöhnen. Gar nicht so einfach. Ich bin mal gespannt, wie kalt es dann morgen in Lappland wird. Aber freuen tu ich mich auf jeden Fall. Hier hört also vermutlich nächsten Montag wieder von mir, bis dahin gute Zeit und ein schönes Wochenende!

Am Vorabend der Revolution

Tuesday, October 18th, 2005

So, meine Stimme hat sich jetzt so weit wieder erholt, erstaunlich eigentlich, weil ich sie nicht so richtig geschont habe. Samstag Abend war die Geburtstagsparty von der Antje hier im Haus (sogar auf meinem Flur) und wies bei Parties halt so ist, da gibts Musik und man spricht etwas lauter. Aber war sehr cool, ich habe einen Finnen kennengelernt der praktisch nebenan wohnt und in einer Ska-Band spielt. Finnischer Ska ist echt klasse ;-) Hat sich also gelohnt meine Stimme so zu verunstalten, dass ich mich am nächsten Tag fast nur von heißer Milch mit Honig ernährt habe.
Neben Parties gibts aber auch (endlich mal) was aus der Uni zu erzählen, wir hatten am Montag unsere zweite Sitzung beim Praktikum. War tatsächlich etwas spannender als das erste Mal, immerhin mussten wir das Impedanzspektrum eines Eimers voll mit Erde ausmessen und zwar bei verschiedenem Feuchtigkeitsgehalt. Ist net weiter anspruchsvoll, aber man sitzt auch nicht nur dumm rum. Und der Betreuer ist die ganze Zeit dabei und hilft und redet bissle mit einem. Das heißt, so weit Finnen halt mit einem reden ;-) Heute durften wir das gleiche nochmal messen, und gleich danach zur Finnisch-Klausur. Hab ich gestern doch glatt ne Stunde für gelernt, war aber kein Problem soweit. Aber ihr seht schon, ich bin total im Unistress inzwischen *gg*
Deshalb hau ich morgen erstmal für eine Woche nach Russland ab, organisierte Bustour nach St. Petersburg und Moskau. Da bin ich ja schonmal sehr gespannt wie das wird, Russland ist halt doch mal was ganz anderes. Zum Glück sind auch ein paar Polen oder Tschechen dabei, die können hoffentlich Russisch, weil mit Englisch kommt man da scheints nicht weit. Und es wäre halt schon schade, wenn man nichtmal im McDonalds was bestellen kann, weils an der Kommunikation scheitert.
Also dann haltet mir mal die Daumen, dass ich heil und gesund wieder zurückkomme und dass mir dort auch nix geklaut wird :-) Ich werde mich ein einer Woche wieder melden und ausführlich Bericht erstatten und dann natürlich auch ein paar Fotos hochladen.